Saarbrücker
Zeitung,
Rundschau
für Merzig-Wadern
Montag,
11. Februar 2002
Normalerweise gibt es am Meer den einen oder anderen Leuchtturm. Doch beim Kinder-Fastnachtsumzug in Merzig ging es einmal andersrum. Ein Meer von Leuchttürmen ergoss sich dank dieser Gruppe in den Gaudiwurm. Mit ihren aufwändig gestalteten Kostümen ernteten die Leuchttürme die meisten Ahs und Ohs den Publikums. Der war übrigens bei diesem 40. Umzug der KG Humor dem miesem Wetter zum Trotz so zahlreich wie immer. Und nachher wurde in der Merziger Stadthalle noch weiter gefeiert.
Gutzzjer oder Tropfen – was regnete mehr beim 40. Kinder-Fastnachtsumzug in Merzig?
Der Konfetti-Regen war dann doch stärker als die Flut, die sich am Samstag über Merzig ergoss. Der 40. Kinder-Fastnachtsumzug war zwar verregnet, aber bunt und stimmungsvoll wie seine 39 Vorgänger.
Wie gut, dass es geregnet hat. Tausende von Schirmen rechts und links der Wegstrecke des Kinder-Fastnachtsumzuges in Merzig eigneten sich hervorragend, Süßigkeiten aufzufangen. Und die flogen reichlich beim Jubiläumszug in der Kreisstadt. Aus allen Himmelsrichtungen waren die Zuschauer in die Stadt gepilgert. Ermutigt wohl auch vom recht passablen Wetter, das noch am Morgen vorherrschte. Petrus jedoch hatte kein Einsehen und ließ es fast pünktlich zum Start regnen wie aus Eimern.
Der guten Laune im und am Zug tat die Wetterlaune keinen Abbruch. Es gab probate Mittel, gegen die Kälte anzukämpfen. Schunkeln, singen, mitmachen war angesagt, insbesondere für die Gucker rechts und links der Wegstrecke. Und die im Zug hatten manche Medizinflasche im Gepäck.... Die machten die Runde unter den aktiven Gecken.
Natürlich war es schade, dass Petrus am Samstag die Regenschleusen so gnadenlos geöffnet hatte. Denn so kamen viele der schönen Kostümierungen der farbenprächtigen Fußgruppe etwa nicht voll zur Geltung. Sie hatten sich alle große Mühe gegeben, die Gummibären, Hexen Kosaken, Zauberer. Aber leider blieb manche Verkleidung verborgen unter eilends übergezogenem Regenschutz. Unter den Aktiven sah man aus den Vorjahren bekannte Gruppen wie die Kindergärten aus Merzig, natürlich die verschiedenen Sparten der KG Humor. Aber auch viele neue Gesichter tauchten auf, was etwas aussagt über den Namen, den sich der samstägliche Zug der vereinigten Narren inzwischen erworben hat.
Über 50 Gruppen waren beim Gaudiwurm durch die Merziger Innenstadt unterwegs. Davon allein zehn Musikkapellen. Humor-Präsident Arno Zenner war denn auch am Abend mehr als zufrieden mit diesem total verregneten Umzug. „Hätte nicht viel besser laufen können“, kommentierte er in der Stadthalle, wo sich alle Teilnehmer trafen und bis in den Abend hinein feierten. Und den Zuschauern am Rand der Strecke hat es ebenfalls gefallen. Nicht nur, weil sich die Gruppen äußerst spendabel zeigten, und dem Nass von oben einen selten da gewesenen Bonbon-Regen entgegen setzen und die feuchten Böen mit tonnenweise Konfetti übertrafen. Nein, sie waren vor allem angetan von den vielen guten Ideen, mit denen auch in diesem Jahr wieder die Aktiven närrischen Einfallsreichtum beweisen hatten. Unverständnis gab es eigentlich nur für jene Wagen, bei denen es lediglich um zwei Dinge ging: Werbung und saufen. Einen Traktoranhänger mit einem fetten Promotion-Transparent versehen und eine durstige Menge auf dem Wagen zu versammeln, die schon in der Hälfte des Zuges Ausfallserscheinungen zeigt – das hat mit einem Fastnachtsumzug in etwa so viel zu tun, wie eine Milchkuh mit russischem Spitzentanz zur Musik von Tschaikowski.
„Da soll der Humor mal den ein oder anderen Wagen abweisen“, kommentiert ein Zuschauer, der sich am Rathaus das Treiben angeschaut hat. Und die umstehende Gruppe von Gecken nickt. „Quantität“, sagten sie, „ist nicht alles!“. Immerhin hat die Merziger Karnevalsgesellschaft auch einen Ruf zu verlieren. Nämlich den des Fastnachtsvereins, der als einziger im ganzen Land seit vier Jahrzehnten seinen Umzug unter dem Siegel „Kinder-Umzug“ laufen lässt.